high lines

Michael Galasso / High Lines
ECM 1713
Michael Galasso - violin, Terje Rypdal - guitar, Marc Marder - double-bass, Frank Colón - percussion
Nicht von dieser Welt / von Frank Becker
Der Titel des ersten Stücks ist Programm, denn sphärisch beginnt das Album “High Lines” von Michael Galasso und seinem Quartett mit “Spheric”, einer Musik, von der man nicht möchte, daß sie aufhört. Doch nach 4:44 ist es zu Ende und es bleibt einem nichts, als den Wiederholungsknopf am Gerät zu drücken. Weiterhören kann man später. “Spheric” featured die vier hochvirtuosen, sensiblen Protagonisten dieses schon nahezu unheimlichen, völlig abgehobenen Albums, das nicht von dieser Welt zu sein scheint.
Der Geiger Michael Galasso aus Louisiana, in der Vergangenheit in den USA und Europa erfolgreich als Film- und Theatermusiker, hat 16 Stücke, mal von epischer Länge, mal als Miniaturen für dieses außergewöhnliche Projekt geschrieben und auch gleich zwei eigene Musiker für die Aufnahmen ins Osloer Studio von Jan Erik Kongshaug mitgebracht: den puertoricanischen Percussionisten Frank Colón und den seit 20 Jahren in Paris als freier Musiker arbeitenden klassischen Kontrabassisten Marc Marder, der auf Zusammenarbeiten mit u.a. Lorin Mazeel, Rudolf Serkin, Pierre Boulez und Gidon Kremer zurückblicken kann.
Der vierte im Bunde wurde auf Vorschlag Manfred Eichers der seinem Label ECM seit Jahrzehnten verbundene geniale Multiinstrumentalist Terje Rypdal. Der Norweger, eine musikalische Legende bereits jetzt, trat als Gitarrist zu dem Quartett. Der dramaturgische Aufbau der Stücke spannt einen Bogen über Okzident und Orient, öffnet aber auch Türen zu anderen Dimensionen. Galasso hat auch hier wieder Musik geschrieben, die einen wunderschönen Film illustrieren könnte.
Basierend auf seiner mal kraftvollen, mal durchscheinenden Geige wandelt diese Musik wie auf geflügelten Schuhen durch orientalische Basare und Karawansereien, reist weit zurück in die Barockzeit und ebenso weit voraus in Welten, die vielleicht noch erschlossen werden. Galasso ist ein Visionär und ein Träumer, aber er kann auch mal ganz bodenständig seine Wurzeln beim Cajun zeigen, bei dem der Geige eine wichtige Rolle zukommt. Rypdal hat Gelegenheit, seine Hendrix-Einflüsse geltend zu machen (jetzt wissen wir auch, wo die Grundlagen des Fusion zu finden sind) und Kongshaug hat mal wieder ein Meisterstück der Aufnahmetechnik abgeliefert. “High Lines” spielt für ECM wieder mal in der ersten Liga.
Michael Galasso’s home page




















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