eremite records / usa

Die Geschichte eines Labels, welches sich dem Free Jazz widmet, wird grösstenteils von einem engagierten Bewunderer dieser Musik geschrieben, der es in die Hand nimmt diese Musik aufzunehmen, die er liebt. Einige andere Bemühungen existieren, auch wenn sie immer seltener auszumachen sind und die meisten existieren nur ein paar wenige Jahre. Aber es gibt sie, diese Labels, die bereits auf eine 10jährige Geschichte zurückblicken koennen. Eines davon ist Eremite Records in den USA.
“Ich wuerde mich als einen normalen, liberal eingestellten, an Kunst interessierten Hochschul-Absolventen beschreiben, der viele Nächte in Jazz Clubs verbracht hat und tagsüber seine Zeit in Jazz Plattenläden”: sagt Michael Ehlers von sich selbst.
“Eremite begann 1995, weil ich mich fuer Free Jazz interessierte”, sagt der 33jährige Label Macher und Inhaber Michael Ehlers, gebürtig in Minnesota, USA. “Waehrend meines Hochschul-Studiums begann ich Konzerte in Amherst / Massachusetts und Umgebung zu organisieren. Eines meiner ersten von mir organisierten Konzerte war mit Jemeel Moondoc. Das war die Geburtsstunde von Eremite, welches ich mit einem Freund gruendete und der mir bei der Organisation half und Ideen einbrachte. Diese Verbindung hielt jedoch nur bis 1996″.


Photos: Peter Gannushkin / downtownmusic.net
Seit dieser Zeit organisiert Michael Ehlers als Mit-Organisator auch das “Fire in the Valley Festival” in Amherst / Massachusetts, welches im Katalog von Eremite ueber die Jahre dokumentiert worden ist.
“Der Name Eremite ist eine Anlehnung an einen Thelonious Monk Titel: “Reflections”. Diese Version von “Reflections” bekam jedoch den neuen Titel “Portrait of an Eremite”. Nach dieser Aufnahme und 15 Jahren Stille, starb Thelonious Monk”: erklaert Michael Ehlers die Herkunft und Bedeutung des Namens für sein Label.
“Ich arbeite an einer bestimmten Esthetik”: erklaert er: “Und ich arbeite mit Musikern, die in Grenzbereichen oft isoliert arbeiten, quasi wie betend musizieren”.
“Das Free Jazz Publikum ist verhältnissmaessig klein und Free Jazz Musiker wurden und werden vom breiten Publikum schon immer vernachlässigt. Meine Aufgabe ist es, diese Musik aufzunehmen und zu dokumentieren; fuer das Jetzt und die Zukunft”. Eremite konzentriert sich auf Musiker die sich seit 25 und mehr Jahren in ihren persoenlichen und musikalischen Formen entwickelt haben und die vom kommerziellen Erfolg so gut wie ausgeschlossen sind. “Ich rede ueber Musiker, die ihr Leben lang in Unkenntnis lebten und leben” ergänzt Michael Ehlers.
Eremite’s Label Logo zeigt den Saxophonisten Joe McPhee, verhüllt in einer Kapuze. Die ersten vier unter Eremite erschienenen Alben waren Jemeel Moodoc’s “tri-p-let”, erschienen am 16 November 1996 mit John Voigt am Bass und Laurence Cook am Schlagzeug, sowie Ellery Eskelin und Andrea Parkins “Green Bermudas” vom 11 Juni 1996. Danach folgte Gregg Bendian’s “Interzone” mit Alex Cline am Schlagzeug und Percussion, Mark Dresser am Bass und Nels Cline an der Gitarre, ebenfalls aus dem Jahre 1996. Die vierte Aufnahme in 1996 war dann “Shekhina” mit dem Assif Tsahar Trio. Assif Tsahar am Saxophone, Susie Ibarra am Schlagzeug und William Parker am Bass.




“Als ich mit Eremite begann hatte ich eine ziemlich gute Vorstellung von dem was ich machen wollte. Das Label “Black Saint” war und ist ein Label welches mit sehr vielen unterschiedlichen Musikern aus sehr verschiedenen Musikrichtungen und Stilen zusammenarbeitete und dieses Label gehoert auch Heute noch mit zu meinen Favoriten. Die ersten Eremite Aufnahmen unterschieden sich daher sehr stark voneinander, doch dann entwickelte sich mein Interesse mehr und mehr in Richtung der amerikanischen Free Jazz Szene”: erklärt Micheal Ehlers.
Diese Geschichte des amerikanischen Free Jazz musste erzaehlt und dokumentiert werden und Michael Ehlers Faszination mit den noch Lebenden und Vergessenen dieser Musik Szene der 60′er und 70′er Jahre zu arbeiten, schuf die Grundlage für einige der wichtigsten Aufnahmen im Eremite Katalog zu denen Musiker, wie der Schlagzeuger Sunny Murray und Denis Charles, die Saxophonisten Sabir Mateen und Jameel Moondoc, der Trompeter Raphe Malik und die Bassisten Alan Silva und William Parker; um nur einige zu nennen, massgeblich beigetragen haben.
Michael Ehlers Interesse an der europäischen Free Jazz Szene laesst sich am besten durch die Aufnahmen mit dem Saxophonisten Peter Brötzmann dokumentieren. Das Peter Brötzmann eigene Label BRÖ; seit 1968 nicht mehr aktiv, wurde mit Vinyl Neuerscheinungen wiederbelebt, die unter den Titeln “the ink is gone” mit Peter Brötzmann und Walter Perkins am Schlagzeug, “still quite popular after all those years” mit Peter Brötzmann und Han Bennink am Schlagzeug, sowie das Album “live at the ‘bottle’ fest 2005″ mit Peter Brötzmann und Nasheet Waits am Schlagzeug, erschienen sind.




Die Eremite Cover Gestaltung, häufig Schwarz-Weiss Fotos, ist in gewisser Weise ein Eremite Look; dennoch, die Gestaltung der Cover wird auch gemeinsam mit den Musikern erarbeitet.
“Die Cover von ESP waren sicherlich eine Inspiration fuer mich. Ich suchte scharz-weiss Fotos die einen dokumentarischen Charakter haben und einige Fotografen, speziell Charlie Gross der die Fotos zu den Covern von Denis Charle’s “captain of the deep” und Jemeel Moondoc’s “revolt of the negro lawn jockeys” fotografiert hat, hatten es mir sehr angetan, und wenn ich genügend Geld hätte, würde ich auch mit einigen anderen Fotografen arbeiten wollen. Dazu zählt mit Sicherheit auch Jacques Bisceglia der das Foto zum Cover von Alain Silva’s “treasure box” lieferte.





Eine nicht gerade leichte Aufgabe, die sich Michael Ehlers mit dem Label Eremite gestellt hat um kompromisslose unbekannte Musiker und deren Musik unter das Volk zu bringen.
“Das Problem ist, es gibt nicht genügend Leute die sich das anhören. Das Publikum für diese Musik ist sehr klein. Ich kenne keine andere Szene, vergleichbar mit derer des Free Jazz und Kreativer Musik, die so enorm viele Alben produziert. Ein sich sehr gut verkaufendes Album für ein Kreatives Musik Label geht in die Stückzahl von vielleicht 1000 Exemplaren. Und das ist bereits enorm. Die meisten Produktionen verkaufen sich so um die 500 Stück pro Album. Es ist nicht einfach ein Label zu führen, ohne dabei in alle Ewigkeiten Geld verlieren zu wollen. Bereits zehn Jahre besteht Eremite und die Entwicklung geht weiter. Wie auch immer, auch wenn ich am Anfang von Eremite gewusst hätte wie es wirklich läuft, nichts hält mich davon ab weiter zu machen”.

































































Loading ...