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arild andersen | electra

electraandersen.jpgArild Andersen Group / Electra.
Arve Henriksen / trumpet, Eivind Aarset / guitars, Paolo Vinaccia / drums, percussion, Patrice Héral / drums, percussion, voice, Nils Petter Molvær / drum programming,Savina Yannatou / vocal, Chrysanthi Douzi / vocal, Elly-Marina Casdas / chorus vocal, Fotini-Niki Grammenou / chorus vocal, Arild Andersen / double bass, drum programming. Produced by Arild Andersen. © + (P) 2005 ECM

Im Rausch der Droge Musik

Mit einem einzigen 18 Sekunden währenden Hauch (aus Arve Henriksens Trompete) wird die Erde geschaffen, und das Leben auf ihr beginnt mit Klage und Lüge. Der norwegische Bassist Arild Andersen hat ein ergreifendes Epos über das mythologische Elektra-Thema komponiert, ursprünglich für eine Aufführung des “Spring Theatre” Athen - danach mit hochkarätigem Ensemble und griechischem Chor in seiner Osloer Wohnung und Studios in Kopenhagen, Montpellier und Athen für das Album aufgezeichnet, das jetzt eindrucksvoll erneut den hohen Rang unterstreicht, den er mit seinem die Genres übergreifenden Jazz seit mehr als einem Vierteljahhundert manifestiert.

Es ist die Geschichte Elektras, Tochter des Agamemnon und der Klytaimestra, die ihren Bruder Orestes auf Geheiß des Apollon zum Mord an der Mutter und deren Geliebten Aigisthos anstiftet, nachdem diese beiden den Agamemnon getötet haben. Homer, Aischylos, Sokrates und Euripides haben sich des dramatischen Themas schon in der Antike angenommen. Voltaire und Vittorio Alfieri arbeiteten den mythischen Stoff in der Zeit der Vorklassik literarisch auf, Ernst Krenek, Jean-Paul Sarte, Gerhart Hauptmann und Hugo von Hofmannsthal u.a. in der Neuzeit. Schuld und Verstrickung, Tod, Rache, Strafe und Verzeihung geben seit jeher der Philosphie, der Darstellung im moralischen Theater aus unterschiedlichen Gesichtspunkten und der musikalischen Umformung Nahrung.

Arild Andersen hat mit seiner Komposition, deren 18 Szenen sich um ein komplexes zentrales Motiv gruppieren, ein faszinierendes Werk von höchstem ästhetischen Anspruch und Wert geschaffen, das seine Mit-Musiker und die griechischen Sängerinnen mit einem Libretto nach Sokrates kongenial umsetzen. Dem Hörer widerfährt ein intensives tief meditatives Erlebnis, das sich beim wiederholten Genuß zunehmend weiter und tiefer erschließt. Durch den sensiblen Einsatz der Stimmen und von Instrumenten auch außereuropäischer Kulturen wie Tablas, Udu und Djembé wird das Erleben zu einem beinahe überirdischen Genuß der in dieser Dosierung der Sorte weltmusikalischer Jazz nachhaltig berauschenden Droge Musik.

Henriksen, Héral, Vinaccia, Molvær, Aarset und Andersen gelingt mit Inspiration und der Hilfe der berückenden Stimmen des olympischen Chores einfach alles auf diesem Album. Der Orient Indiens veschmizt mit dem Okzident, Historisch-mythologisches verliert die Zeitgebundenheit. Ein Meisterwerk. Orest wird zur Strafe für seine Tat von den Erynnen in den Wahnsinn getrieben - Arild Andersen hingegen wird durch sein “Electra“- Epos eine Stufe höher auf dem Weg zum musikalischen Olymp aufsteigen. Frank Becker

Arild Andersen web page

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