WordPress database error: [Access denied for user: 'metropolzalt@%' to database 'metropolzalt']
UPDATE wp_postmeta SET meta_value = '469' WHERE meta_key = 'views' AND post_id = '1366'

day & taxi / less and more

lessandmore.jpg

DAY & TAXI ” less and more” unit UTR 4121 CD

Christoph Gallio: soprano & altosaxophone
Dominique Girod: bass
Dieter Ulrich: drums

Composed by Christoph Gallio
Recorded August 2 and 3 1997
by Martin Pearson
at Radio Studio SF DRS, Zürich
Edited by Max Spielmann at elephant château, Basel
Mastered by Peter Pfister, Berikon
Cover Art: Alex Katz

Überraschend zunächst die Klarheit und Transparenz. Drei Musiker, die in der Lage sind aufzudecken, was sie spielen. Da wird nicht gemogelt, nicht schnell vertuscht, sondern miterlebbar und nachvollziehbar vorgestellt, was an Substanz da ist.

Vieles leuchtet auf, spielt hinein, kommt zum Vorschein: der Drive des Jazz, eine kammermusikalische, auf europäische Fundierungen verweisende Spielhaltung, die Fähigkeit, sich dem spontanen Fluss hinzugeben ebenso wie die Gabe, übersichtlich zu strukturieren. Der Zusammenhalt der Drei beruht auf gegenseitigem Respekt, sensiblen Reaktionen beim aufeinander hören und miteinander musizieren. Oftmals agieren alle drei solistisch und zugleich im Sinne eines Frameworks, das sie miteinander verbindet und gegenseitig stützt. Kaum weniger beeindruckend als die Klarheit wirkt der Mut zur Sparsamkeit. Die Sopran- und Altsaxophonstimme von Christoph Gallio lässt an Liedhaftes, an Swing und Bebop, zuweilen auch an Neue Musik denken.

Doch wahrt er dabei eine Abstraktionsebene, die all das in einer eigenen Sprache erscheinen lässt. Sofern Inspirationsquellen einfliessen, werden sie nicht zitiert, sondern verinnerlicht. Charlie Parker, John Coltrane oder Steve Lacy spiegeln sich von fern her in einer Musik, die sich ihrer Traditionen bewusst ist, ohne sie ausspielen zu müssen. Die signifikanten Eigenkompositionen entsprechen Gallios Spielweise und sind der Interaktion im Trio auf den Leib geschrieben.

Christoph_Gallio2.jpg
Photo: Peter Gannushkin / downtownmusic.net

Was Dominique Girod an Bassfiguren, Punkten und Linien beisteuert, lässt sich oft auch als Solo denken. Und Dieter Ulrich weiss mit sensibler Auswahl der Techniken und Materialien in bewusster Beschränkung rhythmisch komplex und klanglich differenziert zu arbeiten. In symbiotischen Verdichtungen ebenso wie in solistischen Entflechtungen wird der Konsens des Ansatzes spürbar, die Übereinstimmung der Intentionen ohne Verlust des Individuellen.

Durch den Verzicht auf ein Harmonieinstrument bekommt das Ganze eine noch klarere Konturierung, gleicht es manchmal der Umsetzung von Ansichten eines Mobiles in bewegliche Klänge. Zwischen intellektueller Distanz und hingebungsvoller Expressivität entfalten sich unterschiedliche Facetten des Trios. Auch in der Abfolge der Stücke und in der Binnengliederung wie in den fliessenden Übergängen zwischen den Themen und Improvisationen herrscht jene Klarheit vor, die nicht mit Kühle zu verwechseln ist, die Emotionen hingegen deutlicher erscheinen lässt. 3less and more„ präsentiert einTrio, das eine Tugend des Jazz auf neue Weise erfahrbar werden lässt: Integration. Und in der Art des feinsinnigen Umgangs miteinander, mit den Klängen, Rhythmen, Strukturelementen zeigt sich auch: less is more.
Leipzig, Oktober 1998, Bert Noglik

Einen Kommentar hinterlassen





  • metropolis shop